25. November 2021

Besuch in den Jugend-Wohnboxen: Ein Einblick in den Alltag unserer Jugendlichen

Seit dem ersten Lockdown hat sich das Leben in unseren Jugendwohnhäusern deutlich verändert. Es fanden keine gemeinsamen Aktivitäten statt, die Jugendlichen durften keinen Besuch empfangen und vor allem - sie durften sich gegenseitig nur eingeschränkt treffen.

Trotz der Vorgaben haben sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von pro mente OÖ große Mühe gegeben, den Jugendlichen Halt und einen weiterhin geregelten Tagesablauf gewährleisten zu können.

Auf meiner Tour habe ich natürlich alle drei Häuser besucht, um einen genaueren Eindruck von den Jugendeinrichtungen zu bekommen. Insgesamt gibt es drei Wohnhäuser in Linz und Umgebung. In der blue.box wohnen nur Mädchen, in der red.box wohnen die Burschen und in der green.box gibt es zwei WG’s, in denen die Jungs und Mädchen zwar getrennt leben, aber viel im Alltag gemeinsam unternehmen und gestalten.

 

Im Gespräch mit den MitarbeiterInnen vor Ort wurde mir erzählt, dass im Lockdown sehr viele Aktivitäten, soweit es denn möglich war, draußen im Freien stattgefunden haben. Die Jugendlichen der red.box zum Beispiel haben sehr viel Wert auf die Gartenarbeit gelegt und ihren Außenbereich reichlich bepflanzt und verschönert. Das kann sich wirklich sehen lassen.

Mit den Lockerungen wurden dann auch wieder einige Gruppenaktivitäten, wie zum Beispiel Bogenschießen oder Fußballturniere veranstaltet.

Den normalen Alltag versuchten sie so gut es ging aufrechtzuerhalten, was in der Zeiten von Homeschooling und Kurzarbeit natürlich eine große Herausforderung war.

Auch in der blue.box konnte man eine gewisse Anspannung spüren, da die Mädchen nun ihren normalen Aktivitäten wie Schule und Ausbildung nicht mehr in gewohnter Form nachgehen konnten.

 

Über den Sommer wurden die Regeln dann wieder gelockert, was natürlich für das Befinden der Jugendlichen sehr wichtig war. Jetzt, in Zeiten des erneuten Lockdowns, wünsche ich ihnen und ihren BetreuerInnen ganz viel Kraft. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder, wenn ich die Jugendwohnhäuser wieder einmal besuchen darf.

 

11. November 2021

STRADA OÖ – ein Beispiel gelebter Selbstbestimmung

Gerti Niedl - Leitung STRADA
Gerti Niedl - Leitung STRADA

Auch wenn sie das nicht gerne in dieser Form hört, aber Gerti Niedl ist die Frau an der Spitze von STRADA. Sie leitet die Organisation seit 2015. STRADA OÖ, die Interessenvertretung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.
Im Rahmen meiner Aktion „Hinter den Kulissen“ erfuhr ich diesesmal viel Interessantes rund um die UserInnen-Organisation und auch recht Persönliches. Das alles von einer Frau, die aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, mit einer psychischen Erkrankung zu leben, wie dunkel Krisen sein können und wie schwer der Rucksack der Erkrankung und psychischen Belastungen wiegen kann. Die aber auch zeigt, dass ein erfülltes Leben unter diesen Voraussetzungen möglich ist, alles eine positive Wendung nehmen und die Lebensfreude zurückkommen kann, ... wenn man es wirklich will.

Gerti Niedl arbeitet bei STRADA mit einem Team von sechs KollegInnen zusammen.
STRADA OÖ gibt es bereits seit 1996, lange bevor im Jahr 2008 im Rahmen des Chancengleichheitsgesetzes Interessensvertretungen empfohlen wurden. STRADA OÖ nimmt daher in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle in ganz Österreich ein und laufend erkundigen sich Organisationen bei Gerti Niedl, wie denn hier bei pro mente OÖ die Umsetzung und die Zusammenarbeit funktionieren. Interessensvertretung war und ist das zentrale Thema. Selbstbestimmt leben und arbeiten können trotz einer psychischen Beeinträchtigung. Seit das OÖ ChG diese vorschreibt, gibt es auch finanzielle Unterstützung seitens des Landes OÖ. Vorwiegend geht es dabei um Menschen, die in Einrichtungen von pro mente OÖ niederschwellig oder bescheidpflichtig betreut werden. Aber auch Menschen, die noch in keiner Trägerorganisation angekommen sind, holen sich hier Informationen, wo sie Unterstützung erfahren können. Am einfachsten online unter www.stradaooe.at

Jeder Standort von pro mente OÖ hat eine Interessensvertretung und pro Bezirk gibt es zwei BezirksinteressensvertreterInnen. Da kommen bei 180 Standorten ganz schöne viele Personen zusammen.
Alle drei Jahre wird gewählt, 10 x / Jahr gibt es eine Sitzung, einmal jährlich eine Klausur. Verwaltet und organisiert wird alles über das User-Büro, eine Serviceeinrichtung, die auch kostenlose Rechtsberatung anbietet.
Soviel zum Administrativen.

Inhaltlich beschäftigt sich STRADA OÖ einerseits mit der Abhaltung von kostenlosen Kursen, Schreibwerkstätten und Seminaren, darunter das mit am Abstand beliebteste Seminar „Die Freiheit leben – was du wirklich, wirklich willst.“
Weiters gibt es den Bereich der selbstverwalteten UserInnen-Projekte das sind die STRADA-Läden in Linz und Wels und die User-Cafés in Linz, Ried und Vöcklabruck. Die STRADA –Läden werden dankenswerterweise großzügig gestützt durch die Firma Hofer, die kostenlos Warenmuster zur Verfügung stellt. Diese dürfen wöchentlich im Zentrallager abgeholt und in den Läden zu sehr günstigen Preisen an Menschen mit sehr niedrigen Einkommen verkauft werden.
Neben den Standorten Linz und Wels ist auch ein mobiles Team unterwegs, das einen Teil des Sortiments per Bus auch zu den Standorten in die Regionen bringt. Die Erlöse werden für den Betrieb dieser Standorte verwendet und müssen alle anfallenden Kosten decken. 35 KlientInnen arbeiten derzeit aktiv in den Läden mit und erhalten dafür einen geringen Stundenlohn oder ein Taschengeld. Wenn man sie nach ihrer Motivation fragt, warum sie hier mithelfen, dann geht es ihnen aber vielfach darum, eine Aufgabe zu haben, die Freude macht, mit Menschen in Kontakt zu kommen und dazuzugehören.
Lebensfreude entsteht hier, wo Menschen einander treffen und ungeachtet ihrer Erkrankung oder psychischen Thematik positive Erlebnisse und Begegnungen möglich werden.

 

Es freut mich sehr, dass ich den so wichtigen Bereich STRADA von pro mente OÖ an dieser Stelle einmal ausführlich vorstellen konnte.

Vielen Dank an dich Gerti für die Zeit und Geduld, die du mir im Zuge des Interviews geschenkt hast, die tolle Zusammenarbeit mit dir, sowie die Leidenschaft und das Engagement, mit dem du deine Aufgabe ausfüllst!

2. November 2021

Freches, Himmlisches und mehr ...

Illustratorin Conny Wolf
Illustratorin Conny Wolf

So begrüßt die Illustratorin Conny Wolf die Besucherinnen und Besucher auf ihrer Homepage.
Vor fünf Jahren kreuzten sich unsere Wege bereits zum ersten Mal. Als ich auf der Suche nach einer nett gestalteten Postkarte für unsere Spender*innen war, kam ich auf die Idee, Conny Wolf, die „Mama“ des jungen Burschen OUPS um Unterstützung anzufragen. Denn wer kennt ihn nicht, den süßen Kerl mit seinen Mutmachsprüchen. Conny Wolf sagte damals sofort zu und es folgte ein persönliches Kennenlernen sowie die Zusage, dass wir Illustrationen zur Verfügung gestellt bekommen.

Damals schon erzählte mir Conny Wolf allerdings, dass sie sich – schweren Herzens - von OUPS trennen musste und sie jetzt ein Mädchen an ihrer Seite habe ;-)

Die Figur der lustig frechen Stineliese.

Auch das Zeichnen von personalisierten Engelsbildern und die Gestaltung eines jährlichen Engelkalenders liegen ihr sehr am Herzen.

Eine Postkarte von Stineliese hängt übrigens seither bei meinem Schreibtisch und schaut mir bei der Arbeit zu.

Es freut mich daher sehr, dass In der aktuellen Ausgabe des PsychoCheck, den du übrigens ganz bequem hier kostenlos bestellen kannst, ein Porträt von Conny Wolf nachzulesen ist. Sie bei dieser Gelegenheit interviewen zu dürfen, machte mich neugierig, was sie wohl derzeit macht, welche Geschöpfe sie zu Papier bringt, welche Projekte und Pläne sie hat und ob sie immer noch ihre Zeichenworkshops abhält?

Ich möchte an dieser Stelle ja nicht allzuviel verraten, denn einen Auszug aus dem Interview kannst du schließlich im PsychoCheck nachlesen – also unbedingt reinschauen!

Aber dass das Zeichnen für Conny Wolf bereits von klein auf ein Ventil war, um Stress abzubauen, um psychisch in Balance zu bleiben oder das Gleichgewicht wiederzufinden, das habe ich erst jetzt erfahren. Und für zeichnerisch völlig Unbegabte wie mich findet sie auch noch aufmunternde Worte, nämlich dass es vor allem darum geht, Freude und Spaß am Zeichnen zu finden. Wie das auch bei mir gelingen könnte, das wäre dann wohl Inhalt einer ihrer Zeichenworkshops.

Ergänzend dazu sei unbedingt gesagt, dass es  noch weitere Neuigkeiten gibt.

Traraaaaa! Stineliese hat ihren eigenen Webshop Ein Tipp für Weihnachten? ;-) Schau mal rein unter www.connywolf.com oder direkt bei https://connywolf.myspreadshop.at/ 

Stineliese-Motive und Sprüche gibt es jetzt auch auf T-Shirts, Caps, Jacken, Kissen, Handyhüllen und vielem mehr. Die kann man sich online selbst zusammenstellen, wie es einem gefällt.

Ich danke Conny Wolf vielmals für die Zusammenarbeit im Zuge des PsychoCheck – Interviews. Jede E-Mail war eine Freude, wenn zusätzlich zum Wesentlichen auch noch eine jeweils passende Illustration aus dem Bildschirm herauswinkte, wenn Texte vor Energie nur so strotzten und ich mit einem Lächeln vor dem Bildschirm saß, das nicht enden wollte …
Conny Wolf steht eindeutig für Lebensfreude, die in ihrem Leben einen wichtigen Stellenwert hat und die sie durch ihre kreative Ader an uns alle weiterzugeben vermag.

18. Oktober 2021

40 Jahre Erlenhof und Erntedank

Das war wirklich ein schönes Fest!

Im Oktober feierte der Erlenhof ein Erntedankfest.
Das Schöne daran? Es war auch das 40-jährige Jubiläum der Therapiestation.

Mit selbstgemachten Aufstrichen und leckerem Kuchen wurden die BesucherInnen des Erlenhofs verwöhnt. Nach den Begrüßungsworten des Leiters, Peter Olbrich, wurde dann auch ordentlich gefeiert (natürlich unter Einhaltung der 3G-Regeln). Dabei war die Livemusik natürlich das absolute Highlight. Gott sei Dank hielt auch das Wetter durch und alle BesucherInnen, MitarbeiterInnen und KlientInnen konnten sich bei Sonnenschein rundum wohlfühlen.

Für alle, die den Erlenhof noch nicht kennen:
Der Erlenhof liegt in Prambachkirchen (Nähe Eferding) und dort arbeitet ein multiprofessionelles Team. Das Ziel ist, drogen-, medikamenten- und alkoholabhängige Menschen abstinenzorientiert bei der Auseinandersetzung mit ihrer Sucht zu begleiten. Dabei wird psychotherapeutische, sozialarbeiterische und fachärztliche Unterstützung sowie Arbeitstherapie in den Bereichen Land- und Hauswirtschaft, Küche und Keramik angeboten.

 

Nach vielen interessanten Gesprächen und einem vollen Bauch brach ich dann auf, um den Heimweg anzutreten. Ich freue mich aber heute schon auf das nächste Fest im Erlenhof.

30.September 2021 

Eine Mutmachgeschichte über Christa inklusive Blick hinter die Kulissen des Wohnhaus Eberschwang

„Das Leben vor Corona war eigentlich so wie immer – bin selten gegangen, war lieber auf der Couch – generell lief das Leben bei mir vorbei. Ich hatte zwar meine Arbeit in der Tagesstruktur, aber nach Arbeitsende fiel ich immer wieder in den ‚Couchmodus‘.

Die ‚Corona-Sache‘ hatten wir zwar in der Wohngemeinschaft immer im Fernsehen verfolgt, jedoch dachten wir immer ‚das ist so weit weg‘. Praktisch ohne jegliche Vorwarnung erhielten wir binnen kurzer Zeit die Info, dass wir auch nicht mehr in die Arbeit gehen dürfen. Dies war für uns ein großer Schock, denn damit hatten wir absolut nicht gerechnet. Da ich aber ein großes Bedürfnis nach einem geregelten Tagesablauf hatte, richtete ich mir dennoch meinen Wecker wie immer auf 7 Uhr, so wie ich es von früher gewohnt war. Aber diese plötzliche ‚Freizeit oder sollten wir sagen Freiheit‘, die war ich doch gar nicht gewohnt.

Nach einigen Gesprächen mit meinem Mitbewohner Manfred kamen wir auf die Idee: ‚Wir könnten doch jeden Tag eine Runde gehen …‘ Gesagt, getan: Ausgerüstet mit einem Schrittzähler (wir wollen doch wissen, wie viele es sind), der richtigen Kleidung und dem passenden Schuhwerk machten wir uns auf den Weg.

Wenn´s denn mal ein bisschen bergauf ging, dann waren wir schon geschafft, aber im Laufe der Zeit ging das immer besser und entlang unserer Routen hatten wir dann schon richtige Bekanntschaften mit diversen Streckenposten geschlossen.

Die Zahl des Schrittzählers ging nach oben, der Zeiger der Waage nach unten.

Noch nicht genug, begannen ich und Manfred gemeinsam Brot zu backen. Aber auch am Herd probierten wir doch so einiges aus. Somit bekam der Begriff ‚Freizeit‘ eine ganz andere Bedeutung für uns.

Corona geschuldet brachte ich locker 10 Kilo weniger auf die Waage und Langeweile kam auch keine mehr bei uns in der Wohngemeinschaft auf.
Ich konnte mir von der ganzen ‚Corona-Zeit‘ nur Positives mitnehmen – ich habe jetzt, trotz Arbeit in der Tagesstruktur, einen erfüllten Zeitplan, und weiß auch sehr viel in meiner Freizeit anzufangen. Ich werde weiterhin – egal ob Coronazeit ist oder nicht – meine Runden durch die Natur drehen, ausgestattet mit Schrittzähler und richtiger Kleidung, und jeden Tag freudig über meine neue Leidenschaft, welche mich total erfüllt, durchs Leben gehen!“

 

Nachdem mich diese motivierenden Zeilen von Christa erreicht haben, war ich neugierig geworden und machte mich auf den Weg nach Eberschwang. Das Wohnhaus in der beschaulichen Innviertler Gemeinde bietet sieben Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen ein Zuhause. Bei meinem Besuch war der Terrassentisch mit Kaffee und Plundergebäck gedeckt und die BewohnerInnen und Betreuerinnen warteten schon auf mich. In dieser lustigen Runde erfuhr ich viel vom Leben der BewohnerInnen und wie der Alltag im Wohnhaus aussieht. Christa erzählte voller Freude von den letzten Monaten und von ihrer Beschäftigung im Bügelservice in der FA Ried. Manfred, von allen auch ‚Manfredo‘ genannt, der Motivator und Initiator der Walking-Runden, ist in der Tischlerei im Emprechting beschäftigt. Nebenbei schnitzt er begeistert Holzfiguren. Die übrigen BewohnerInnen haben ihre eigenen Interessen, Wolfgang fährt so oft es geht nach Ried in sein Stammcafé, Martina arbeitet im Auftragsservice in Ried und geht gerne shoppen. Wer lieber zuhause bleibt, verbringt den Tag im Haus oder im Garten. Der topp gepflegte Garten ist dem Einsatz aller zu verdanken. Auch das Biotop wurde gemeinsam angelegt und wird gehegt und gepflegt.

 

 

Es war ein schöner Besuch: Man spürt, hier werden alle so akzeptiert, wie sie sind. 

17.September 2021

Wir wollen das Leben und die Lebensfreude feiern!

„Endlich wieder einmal!“ Diese Worte habe ich öfters gehört unter den BesucherInnen des Begegnungsfestes, das anlässlich der runden Jubiläen der pro mente OÖ-Standorte Übergangswohnen Kaisergasse, FA Kontrast, FA Keramik, Übergangswohnen K5 und pro sport gefeiert wurde.

Endlich wieder Menschen treffen, Freunde und KollegInnen. Endlich wieder einmal in ungezwungenem Rahmen zusammen sein, Gelegenheit haben für Begegnungen, Austausch, Kennenlernen und Wiedersehen mit TeilnehmerInnen von den Standorten und MitarbeiterInnen.

Das Ambiente des Innenhofes am Standort Kaisergasse in Linz war wie geschaffen dafür, unter den derzeit geltenden Rahmenbedingungen im Freien in größerem Rahmen zusammenzukommen. Ein fleißiges Team an HelferInnen und Helfern hatte ja – neben den eigentlichen beruflichen Aufgaben - bereits seit Monaten alles für den großen Tag geplant und vorbereitet und achtete auch während des Festes darauf, dass vom Check –in über die kulinarische Versorgung, bis zur Beschattung, den Sitzmöglichkeiten, der liebevollen Dekoration, der Präsentation der Standorte und deren Produkte, bis hin zur Tonanlage und musikalischen Untermalung alles perfekt war für das erste gemeinsame Feiern seit Langem. Strahlenden Sonnenschein gab es als Highlight noch oben drauf.

 

Eröffnet wurde das Begegnungsfest mit einer Einlage der Jodlergruppe von kunst&kultur, gefolgt von den Begrüßungsworten des Vorstandsvorsitzenden Kurosch Yazdi und der Regionalleiterin Raphaela Just. Damit war es aber schon genug der offiziellen Programmpunkte, denn das Motto dieses Festes lautete schließlich: „Wir wollen die Standorte und das Leben feiern“. Dazu gehörte selbstverständlich ausreichend Zeit für Begegnungen und auch das eine oder andere Wiedersehen.

Besonders erfreulich war auch, dass sich einige PolitikerInnen - trotz Wahlkampf- ebenfalls die Zeit nahmen, um in der Kaisergasse vorbeizuschauen. Darunter Landesrätin Birgit Gerstorfer, der Bürgermeister der Stadt Linz Klaus Luger, die stellvertretende Bürgermeisterin Karin Hörzing, die Landtagsabgeordneten Ulrike Wall und Ulrike Schwarz, sowie Renate Hackl von der Sozialabteilung des Landes OÖ.

Weitere Gäste waren die Präsidentin von pro mente OÖ Monika Czamler, die beiden Geschäftsführer Gernot Koren und Gerald Zeininger und die beiden langjährigen ehemaligen GeschäftsführerInnen Christian Rachbauer und Rita Donabauer.

 

Es gilt, ein herzliches Dankeschön zu sagen allen Anwesenden und HelferInnen, sowie folgenden Firmen, die die Ausrichtung dieses Festes ermöglicht haben:

30.August 2021

So bunt ist es in der Kreativwerkstatt und Keramik von pro mente OÖ

Heute war ich mit unserer Ferialpraktikantin Lia in einer unserer Einrichtungen für Fähigkeitsorientierte Aktivität.
Ich wollte ihr einen kleinen Einblick in diesen Bereich verschaffen und so verschlug es uns in die Keramik und Kreativwerkstatt in Linz.
Wir wurden sehr freundlich von den MitarbeiterInnen empfangen und bekamen gleich einmal eine Führung durch die Räumlichkeiten. Überall stapeln sich die Kunstwerke der TeilnehmerInnen, auch der Garten ist liebevoll gestaltet.
Markus, der selber schon seit 25 Jahren aktiv in der Werkstatt arbeitet, stellte sich zur Verfügung und erzählte uns von seinen Erfahrungen und Eindrücken. Vorab ein paar Informationen zu ihm selbst: Er hat maturiert und ein Studium in Linz für Betriebswirtschaft und JUS begonnen. Dieses musste er dann leider gesundheitsbedingt abbrechen und begann zu arbeiten. Wegen seiner Krankheit musste er ein paarmal stationär ins Krankenhaus und konnte seiner Tätigkeit am 1.Arbeitsmarkt nicht mehr nachgehen. Über eine Bekannte seiner Mutter, dessen Sohn bei pro mente OÖ arbeitet, wurde er dann auf die Keramik- und Kreativwerkstatt aufmerksam.
Sein Beschäftigungsausmaß umfasst insgesamt 31 Stunden in der Woche. Als Arbeitsbezeichnung benutzt er gerne den Ausdruck "Mädchen für alles". Er hilft überall aus, wo er gebraucht wird. Er ist unter anderem für die Datenverwaltung im Büro, Botengänge und Einkäufe für die Küche und die Werkstatt sowie für das Bemalen der Keramikfiguren zuständig. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit ist er auch Interessensvertreter, wo er bereits zum 3.Mal wiedergewählt wurde.
Besonders schön findet Markus die Zusammenarbeit zwischen den MitarbeiterInnen und den TeilnehmerInnen. Sie singen Volkslieder, pflegen den Garten und machen jede Woche einen gemeinsamen Ausflug. Einmal im Jahr findet auch ein Grillfest bei ihnen im Garten statt, auf welches sich alle immer sehr freuen. Außer an ihrem Standort verkaufen sie ihre handgemachten Werke auch jährlich auf den Oster- und Weihnachtsmärkten in der Umgebung.

 

Markus kommt sehr gerne in die Werkstatt, es ist ihm wichtig, einen strukturierten Tagesablauf und zeitgleich keinen zu großen Arbeitsdruck zu haben, welches beides hier in der Einrichtung möglich ist. Uns hat der Besuch sehr gut gefallen und wir können es jedem wärmstens empfehlen, einmal im Verkaufsbereich vorbei zu schauen.

 

 

Zum Abschluss noch ein ganz heißer Tipp für alle, die gerne schon früh auf die Weihnachtsfeiertage vorbereitet sind, ab September beginnt der Lagerverkauf in der Fabrikstraße. Ein Besuch lohnt sich ganz sicher!

 


pro mente OÖ Keramik 
Fabrikstraße 2a
4020 Linz
Telefon: 0732 / 78 47 25
ts.keramik@promenteooe.at

 


Erreichbarkeit:
Mo - Do: 8.00 - 16.00 Uhr
Fr: 8.00 - 12.00 Uhr

 

13. August 2021

Auf dem Integrationshof ein neues Leben beginnen

Diesesmal durfte ich mir gemeinsam mit einer Kollegin einen Eindruck von einer Einrichtung machen, nämlich vom Integrationshof Liebenau, in Schöneben im Mühlviertel.
Dort angekommen wurden wir gleich sehr freundlich von der neuen Leiterin Katharina Atteneder und ein paar der BewohnerInnen begrüßt.
Neben dem Wohnplatz gibt es auch mehrere Möglichkeiten zur Arbeitstherapie. Die BewohnerInnen können sich zwischen dem Küchen- und Wäscheservice, der Mithilfe in der Holzwerkstatt oder im Stall entscheiden.
Auf dem Hof werden zehn Hühner, zwei Esel, fünf Kühe und eine Katze gehalten. Gemeinsam mit dem Trainer kümmern sich die BewohnerInnen um die Tiere. Neben den Tätigkeiten wie die Ställe auszumisten, die Tiere zu füttern und sie zu reinigen gibt es wöchentlich auch ein- bis zweimal einen gemeinsamen Spaziergang mit den beiden Eseldamen. Diese Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und sind kurzerhand gleich mit.
Nach dem Spaziergang kamen wir dann mit ein paar der BewohnerInnen ins Gespräch und konnten so ein paar persönliche Eindrücke sammeln wie es Ihnen im Leben vorher erging und wie sie der Integrationshof unterstützt. Es ist schön zu sehen, wie harmonisch hier alle miteinander umgehen und es freut uns, dass wir das so miterleben durften.
Unser Eindruck? Der Hof ist zwar nicht sonderlich groß, aber es herrscht eine angenehme Atmosphäre zwischen den BewohnerInnen und den MitarbeiterInnen. Auch die Lage ist bestens gewählt, hier ist man umgeben von der Natur, was einem eine unheimliche innere Ruhe verschafft.

 

Nähere Infos über den Integrationshof findest du unter https://www.sucht-promenteooe.at/angebote/integrationsh%C3%B6fe/integrationshof-liebenau/

2. August 2021

Freizeitclub: Bindeglied zwischen Therapie und Alltag

Vor kurzem besuchte ich den Freizeitclub von pro mente OÖ in Vöcklabruck. Das ist ein niederschwelliges Angebot, man muss sich dort nicht für einen Besuch anmelden. Jede/r kann hinkommen und alles ist dort sehr zwanglos.

Ich habe bei meinem Besuch viel mit KlientInnen gequatscht, aber auch mit der Mitarbeiterin Diana (oben rechts im Bild, links steht übrigens die Kollegin Eva). „Nach 20 Jahren Arbeit macht mir hier die Arbeit noch genauso viel Spaß, wie am Anfang“, sagt sie und strahlt dabei. „Auch wenn es durch Corona nicht immer leicht war und die Arbeit eine Gradwanderung war zwischen wichtigen Vorschriften und Menschlichkeit – ich denke, wir haben es gut gemeistert.“

 

Auch Herr K., ein Klient der regelmäßig den Freizeitclub besucht, freut sich immer auf die Begegnungen mit anderen Menschen: „Ich fühle mich hier sehr wohl und ein Besuch hier ist etwas, auf das ich mich immer freuen kann, weil ich mich willkommen fühle. Hier kann man alles, muss aber nichts. Gerade wenn ich in Therapie war, ist es für mich wichtig, danach nicht gleich alleine zu sein. Ich nutze die Besuche hier, um vieles zu verarbeiten.“ Auch wenn er es während der Corona-Pandemie viel tun musste – telefonieren mag Herr K. nicht so gern, ihm sind vor allem die persönlichen Kontakte wichtig.

„Man kann hier jeden Tag was Neues lernen, auch als Mitarbeiterin“, sagt Diana. „Während Corona war leider das gemeinsame Kochen nicht möglich. Jetzt geht es schon langsam wieder. Ich denke, das Kochen hat eine sehr wichtige soziale Komponente. Gerade heute hat mich eine Dame mit türkischen Wurzeln angerufen. Sie würde sehr gerne mit uns kochen und auch einmal den anderen KlientInnen zeigen, wie türkische Küche schmeckt. Ich denke, niederschwellige psychosoziale Angebote tragen auch einen wichtigen Aspekt in Sachen Migration und Integration bei.“

 

Nachdem ich noch Stickereien und neu reparierte und gestaltete Fahrräder im Freizeitclub bewundern durfte, machte ich mich wieder auf den Heimweg. Aber ich freue mich jetzt schon wieder auf ein Wiedersehen.

19. Juli 2021

Gärtnerei mit sozialem Mehrwert

Kennt ihr eigentlich schon das ATZ Zweigstelle Schwaigau in Asten? Das Arbeitstrainingzentrum hilft seit 1985 Menschen in oder nach psychischen Krisen wieder ins Berufsleben zurückzukehren.

Als ich nach dem Lockdown die Schwaigau besucht hatte, sprach ich dort mit drei KlientInnen über ihre Situation.

Herr B. arbeitet seit dem März dort und hat sich in der kurzen Zeit bereits zum Kräuterexperten entwickelt. Er hat vor längerer Zeit in Salzburg studiert und konnte seinen Beruf aufgrund des großen Leistungsdrucks nicht mehr ausüben. Die Schwaigau war für ihn auch ein wichtiger Weg aus der sozialen Isolation und das Arbeitsklima dort findet er super. „Die Stimmung in der Corona-Zeit war leider sehr angespannt, da war ich froh, dass mir die Arbeit einen Halt gegeben hat. Ich habe mir bereits meinen eigenen ‚Minikundenstamm‘ aufgebaut und es macht mir Spaß, die vielen Leute zu beobachten“, sagt Herr B. Auch wenn er gerne in der Schwaigau ist, sieht er die Stelle nur als Übergang. Sein Traumjob wäre noch immer als freier Journalist zu arbeiten.

Frau G. ist circa ein Monat länger in der Schwaigau. Sie war viele Jahre Chefsekretärin in verschiedenen Firmen. „Aber eines Tages konnte ich einfach nicht mehr. Ich war total ausgebrannt und konnte nicht mehr von der Couch aufstehen“, erzählt Frau G. Sie war lange Zeit im Krankenstand, absolvierte AMS-Kurse, aber der Leistungsdruck von früher hat sie kaputt gemacht. Diese Situation beschrieb sie als sehr demoralisierend.
„Der Bürojob geht mir nicht ab, ich arbeite hier im Verkauf und es macht mir Spaß, da ich schon seit vielen Jahren eine Hobbygärtnerin bin“, erzählt sie. Frau G. hilft gerne Menschen mit Rat und Tat weiter und die Arbeit ist sehr gut für ihren Selbstwert. Wie es aber nach der Zeit im ATZ weitergehen soll, weiß sie noch nicht.

Frau D. war schon einmal vor acht Jahren in der Schwaigau angestellt. Sie hat eine schwierige Scheidung hinter sich und musste drei Kinder alleine aufziehen. Seit Oktober ist sie jetzt wieder hier, steht aber schon kurz vor der Pension. Auch für sie ist die Arbeit sehr gut für den Selbstwert und sie liebt Blumen über alles. Sie schätzt den liebevollen Umgang im ATZ und freut sich, dass sie jeden Tag etwas Neues lernen darf. „Das hält mich fit. Genauso mein ganz frisches ‘Oma-Dasein‘“, freut sich Frau D. Was ihr in der Schwaigau besonders gut gefällt? Das gute Mittagessen – hier wird nämlich jeden Tag frisch für die MitarbeiterInnen gekocht ... hm, das nächste Mal sollte ich vielleicht schon zur Mittagszeit auf Besuch kommen ;).

30. Juni 2021

Neue Botschafterin für Lebensfreude im ATZ Logistik in Linz

Tale heißt eigentlich Atdhetare Sherifi, aber alle nennen sie Tale.

Also haben auch wir uns im Rahmen des Interviews darauf geeinigt ;-)

 

Tale ist seit gut zwei Jahren als Sozialarbeiterin im Arbeitstrainingszentrum Logistik beschäftigt. Nachdem sie zuvor schon in der Beratung gearbeitet hat, war es ihr ein großes Anliegen, in ein Arbeitstrainingszentrum bei pro mente OÖ zu wechseln. In diesem Umfeld sei es nämlich möglich, Menschen besser kennenzulernen und längerfristig begleiten zu können, erzählt mir Tale. Und jede/r hat schließlich sein Packerl zu tragen, jede/r eine ganz individuelle Geschichte. Darauf müsse man sich und darauf möchte sie sich einstellen. Und das sei in diesem Arbeitskontext, also in einem Arbeitstraining, einfacher umzusetzen.

 

Als Vermittlerin zwischen fachlicher Arbeit und den TeilnehmerInnen, so sieht Tale ihre Aufgabe, ein wichtiges Bindeglied, Sprachrohr, Übersetzerin.

Menschen faszinieren Tale grundsätzlich und das spürt man, indem wie sie ihnen begegnet. Es ist ihr nicht nur beruflich auch privat wichtig, stabile und hochwertige Beziehungen zu haben. Das schätzen die KlientInnen, denen sie die volle Aufmerksamkeit entgegenbringt. Mit dem Wissen und dem Verständnis dafür, dass jede/r schnell selbst in so eine Situation kommen kann, in der er oder sie psychisch aus der Bahn geworfen wird, hat sie die besten Voraussetzungen für ihren Beruf. Menschen öffnen sich ihr gegenüber gerne, sie erzählen Dinge, die sie sonst niemandem erzählen.

Das gibt ihnen Kraft.
Manche Menschen, erzählt mir Tale waren, bevor sie ins Arbeitstraining gekommen sind, viele Jahre nur zuhause. Sie haben Scheu und es kostet sie eine Menge Überwindung, sich hier wieder auf Begegnungen und soziale Kontakte einzulassen. Durch die vergleichsweise enge und langfristige Betreuung einer Person ist es aber sehr schön zu sehen, wie sich jemand entwickelt. Die Begleitung beginnend beim Bewerbungsprozess und der Kontakt manchmal auch über die Zeit im Arbeitstrainingszentrum hinaus, wenn jemand wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt Fuß gefasst hat, das bestätigt Tale in ihrem Tun.
Tale geht auch gerne mal aus dem Büro in die Logistik, um dort mitzuhelfen. Denn während der Arbeit ergeben sich oftmals sehr wichtige und persönliche Gespräche – ganz spontan, ohne eigens angesetzten Termin.

 

Und was hat Tale nun mit Lebensfreude zu tun?

Tale IST Lebensfreude und sie VERMITTELT Lebensfreude.

Aus diesem Grund wurde ihr kürzlich offiziell die Auszeichnung zur Botschafterin für Lebensfreude bei pro mente OÖ überreicht. - Es freut mich, dich in meinem „Team“ zu haben, Tale!

 

Und  hier schließt sich auch der Kreis.

Lebensfreude.

Achtsamkeit.

Zu diesen Themen, die Tale ein persönliches Anliegen und wichtiger Teil ihrer Lebenseinstellung sind, hält sie auch Arbeitsrunden mit KlientInnen ab. Nachdenken, wofür man so dankbar ist im Leben, die Energie fokussieren auf Bereiche, die man selbst beeinflussen kann. Im Einklang sein, das bedeutet Lebensfreude unter anderem für sie.
Heute sei man viel zu sehr abgelenkt von Zielen, denen man hinterherrennt, wodurch sich vieles andere verliert und auf der Strecke bleibt. Die Kleinigkeiten im Alltag seien es schließlich, die genügen, um Lebensfreude zu spüren, nicht das große Unerreichbare irgendwann, irgendwo, vielleicht oder vielleicht auch nicht.
Gesunde Lebensführung ist auch eines von Tales persönlichen Interessen. Daher ist es selbstredend, dass die Morgenaktivierung, die Montag – Donnerstag jeweils 15 min lang abgehalten wird, von ihr gemacht wird. Ein wenig Stretching hier, ein paar Kniebeugen dort, Knochen spüren und Muskeln aktivieren, die schon längst in Vergessenheit geraten sind. Aber alles  ganz easy going.
Privat geht Tale es da schon etwas sportlicher an. Aber auch hier gilt es, den Fokus auf sich selbst nicht zu verlieren. Mit ihrem Ansatz, sich durch Training mit dem eigenen Körpergewicht fit zu halten, hat sie bereits vor vielen Jahren eine eigene Community aufgebaut. Auf Instagram zeigte sie der Welt, dass es keine Fitnessgeräte braucht, um sportlich aktiv zu sein. Es reicht schon die Besinnung auf das, was man hat.

Ja, so einfach geht Lebensfreude ;-)

 

21. Juni 2021

Zu Besuch in der Holzwerkstatt

Wow, das war ja ein Erlebnis!

Kennt ihr schon die ATZ Holzwerkstatt von pro mente OÖ in Linz?

Das ist eine professionelle Tischlerei, in der 11 KlientInnen arbeiten (5 Plätze sind hier übrigens noch frei). Die KlientInnen und 10 MitarbeiterInnen von pro mente OÖ arbeiten dort im Jahr an rund 110 größeren Aufträgen und zahlreichen kleineren Holzarbeiten. Möbel, Küchen, Regale, Tische, Stühle – das Sortiment in der Holzwerkstatt ist wirklich groß und ein Besuch dort lohnt sich.

Ich habe dort auch Herrn S. getroffen, der seit rund einem Jahr in der Holzwerkstatt arbeitet. Er hat mir erzählt, dass er seit 2017 immer wieder Schwierigkeiten im Leben hatte und nur selten gesellschaftlichen Anschluss fand, was ich besonders schade finde, weil er wirklich nett ist.

Seine Eltern ließen sich scheiden als er klein war, vor einigen Jahren hatte er einen Suizidversuch unternommen. Nach einigen Wochen Aufenthalt in der Psychiatrie kam er zu pro mente OÖ. Er sagt, dass er zwar noch immer sehr impulsiv ist und immer wieder Probleme mit Menschen hat – ihm wurde eine Borderline-Diagnose gestellt – aber seit der Arbeit in der Holzwerkstatt geht es ihm viel besser. Dort hat er sehr nette Bezugspersonen, die ihm beruflich aber auch privat mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Sein Leben hat sich in den letzten Monaten verbessert. Sein größter Wunsch wäre es, wenn die Menschen wieder respektvoller miteinander umgehen würden.

Ich denke, das ist wirklich ein unterstützungswürdiges Anliegen, oder was meint ihr?

 

Ich habe euch auch noch ein paar Bilder dagelassen, damit ihr einen Eindruck von der ATZ Holzwerkstatt bekommt.

Weitere Infos und die Kontakdaten findet ihr unter https://www.atzooe.at/holzwerkstatt/

 

25. Mai 2021

Wo Blumen blühen, lächelt die Welt

Als ich Anna am Telefon nach einem Besuchstermin im blütenblatt fragte, sagte sie spontan: „Aber wir sind grad beim Umdekorieren."
Sie meinte damit, dass es eventuell etwas unaufgeräumt aussieht, was mir aber keinesfalls so vorkam.
Von weitem sah ich schon das Geschäftslokal an der Ecke Herrengasse/Adlerstraße im Traunpark in Wels, Blumen vor dem Eingang, eine liebevoll dekorierte Auslagenfront. Eine Augenweide für alle PassantInnen und auch für mich.
Anna Pichler ist noch jung im Team und beim blütenblatt eingestiegen, als das ehemalige Blumenkörberl mit neuem Namen an diese Adresse übersiedelte. Das war Anfang 2020.
Auf den Bildern von der Eröffnung, durch die Anna und ich uns am Computer klickten, sah alles noch recht leer aus. Die Blumen, Sträuße und Gestecke hübsch arrangiert, aber doch fehlte damals etwas Wichtiges.

Daher entschied ich mich, selbst ein paar Fotos zu machen – trotz vorangegangenem Muttertag – denn jetzt ist das zweigeschossige Ladenlokal aus meiner Sicht perfekt gestylt. Es lädt zum Verweilen ein, strahlt eine Atmosphäre aus, in der man sich als BesucherIn einfach wohlfühlt. Mein Lieblingsplatz wäre ja die Sitzecke im Obergeschoss ;-)

Es sind immer sechs – acht TeilnehmerInnen, die in diesem Arbeitstrainingszentrum von pro mente OÖ eine Vorbereitung auf einen Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt hinarbeiten. Manche lernen hier die Floristik aus einem ganz neuen Blickwinkel kennen und schlagen sogar diesen Ausbildungsweg ein.
Wöchentlich wird im Team zwischen den Aufgabenbereichen gewechselt. So kann jede/r möglichst viel ausprobieren, Topfpflanzen kennenlernen, sich um den Außenbereich vor dem Geschäft kümmern, die Schnittblumen betreuen, bunte Sträuße oder Gestecke herstellen.

 

Anna war vor ihrer Zeit bei pro mente OÖ selbständige Floristin. Das merkt man. Ich konnte ihre Begeisterung für diesen Beruf spüren, während wir gemeinsam durch die Räumlichkeiten spazierten und sie mir erzählte, wie alles begann und wie das blütenblatt zu dem wurde, was es jetzt ist.
Es ist wunderschön, was du hier gemeinsam mit deinem Team machst, Anna. Auch das ergänzende Sortiment an Duftkissen, Postkarten, Dekomaterial und dem einen oder anderen außergewöhnlichen Möbelstück bildet insgesamt eine runde Sache und eine Wohlfühlatmosphäre, die jede/r auf sich wirken lassen  sollte, wenn er/sie mal in Wels ist.

Nähere Infos und Öffnungszeiten: https://www.atzooe.at/blumen/

16. April 2021

AVEC - über Musik, Erfolg, die Psyche und das Leben

Fotos: MARTINMORSCHER

AVEC hat in jungen Jahren bereits eine Biographie, die sich sehen lassen kann. Für das Magazin PsychoCheck hat sie mir ein Interview gegeben, das ich an dieser Stelle um weitere Hintergrundinfos erweitern möchte.

Gute Unterhaltung beim Lesen und auch beim Reinhören in ihre neue Single MyWifeTheDepression, die heute erschienen ist.

 

“The most impressive songs usually reflect life experiences, and AVEC demonstrates that. That the young Austrian artist writes from the heart becomes clear in every verse and every refrain.” (Eurosonic Norderslaag Festival, Red.)

Die besten Lieder basieren nicht selten auf den besten Geschichten. Und die sind im besten Fall wahr: Seit 2015 AVECs erste EP “Heartbeats” erschienen ist, rüttelt die junge österreichische Musikerin gekonnt und gut am Bild dessen, was man über zutiefst ehrliche Popmusik zu wissen geglaubt hat.

Die erste, sehr erfolgreiche Single “Granny” hat den Weg zum jugendlich-melancholischen Debütalbum “What If We Never Forget” geebnet. Es wurde mit mehreren Nominierungen bei den Austrian Amadeus Music Awards (unter anderem “Künstlerin des Jahres” und “Best Sound”) belohnt: ein erstes, starkes Folkpop-Statement, reduziert, kraft- und eindrucksvoll. So eindrucksvoll, dass AVEC in weiterer Folge unter anderem Support-Slots für Zucchero, Sting oder The Tallest Man On Earth gespielt hat.

Und genau da hat sich ein schöner Kreis geschlossen: gerade der Letztgenannte ist für die selten gute und schlichte Art, wie er nur mit Gitarre und Stimme ganze Welten heraufbeschwört, bekannt. Lieder nach geschichtenerzählender Folktradition, die AVEC als sehr junger Teenager für sich entdeckt hat: Musik war in ihrem Leben immer da, angefangen bei den sehr guten 80er-Jahre-Pop-Vorlieben ihrer Mutter bis zu den ersten musikalischen Schritten in der Schule, damals noch an der Geige. Und etwas später dann, die unverhoffte Entdeckung der eigenen, herausragenden Stimme.

Wie viele sehr gute Musiker*innen hat AVEC sich geweigert, Noten lesen zu lernen, und sich stattdessen anhand von Büchern und Youtube-Videos selbst beigebracht, ihre Stimme und die damals ersten Texte an der Gitarre zu begleiten. Taylor Swift (und ihr Song „Fifteen“) war es dann schließlich, die AVEC zum ersten Mal das Gefühl gab, dass das der eine, echte, wichtigste Lebenssinn sein kann. Nachdem sie erste Songs daheim mit ihrem Handy aufgenommen und auf Soundcloud hochgeladen hat, hat die Entdeckung nicht lang gedauert. Der Rest ist eine fabelhafte Geschichte.

 

Unähnlich vieler anderer hat es AVEC nicht vom oberösterreichischen Land sofort in die Stadt verschlagen, um da die große Karriere zu starten. Ein ruhiger Ort führt oft zu lauten Gedanken – das war für sie von Anfang an eine der wichtigsten Voraussetzungen zum Musik machen. Wie schon für die Aufnahmen zum ersten Album hat es die junge Musikerin deshalb auch gemeinsam mit ihrem besten Freund und stetem musikalischen Wegbegleiter Andreas Häuserer einmal mehr nach Irland verschlagen: der Norden, so die Künstlerin, gibt ihr etwas, das sie sonst nirgends findet. Die Kälte, die Landschaft, ja, auch die Schafe: es ist eine ursprüngliche, naturnahe, gute Einsamkeit, die AVEC von der windigen Küste mit hinein in ihr Schreiben und ihre Art, Geschichten zu erzählen, genommen hat. In Irland, in gemeinsamer Arbeit mit Produzent Tommy McLaughlin, ist schließlich auch das zweite Album “Heaven/Hell” (2018) entstanden. Mehr Kanten, mehr inhaltliche Klarheit, mehr Pop. Taylor Swift würde staunen.

AVEC tourt mittlerweile mit großer Liveband – und das von Frankreich bis Belgien, von Deutschland bis Portugal. Die “Heaven/Hell”-Tour war in Österreich gänzlich ausverkauft.

Gegipfelt hat alles schließlich dort, wo sich jährlich die neuesten, besten jungen Acts Europas versammeln: Am Eurosonic Norderslaag Festival in Groningen, Niederlande. 2019 gewinnt AVEC ebenda in der Kategorie “Singer/Songwriter” bei den festivalintern verliehenen “Music Moves Europe Talent Awards”.

 

Und auch das ist etwas, das die junge Musikerin jetzt noch verwundert: Sich selbst beschreibt sie als introvertiert, ja, rückblickend liebevoll als „Weirdo“. Als Außenseiterin, die nicht viele Freunde hatte, die gerne Klamotten ihrer geliebten Oma (ihr ist natürlich die erste Single „Granny“ gewidmet) getragen hat und trägt – und die es ganz sicher nicht gewollt hätte, so im Rampenlicht zu stehen wie jetzt. Dass die Musik einmal nicht nur erfüllendes Hobby, sondern der Beruf bzw. die Berufung wird, ist für AVEC nach wie vor die schönste, aber auch erstaunlichste Überraschung. Ihre beiden begonnenen Studien der Molekularbiowissenschaften und Lehramt Englisch/Geschichte hat sie dafür aber mehr als gerne auf Eis gelegt.

2020 hat AVEC ihr drittes Album „Homesick“ veröffentlicht. Aktuell verzeichnet sie mehr als 60 Millionen Streams – und das allein auf Spotify. In einer Zeit, in der es Einzigartigkeit braucht, um aus dem Meer an neuen Releases herauszustechen, macht AVEC alles richtig. Ihre Lieder sind realitätsnah und trotzdem Einladung zur Gedankenreise. Vor allem aber sind sie Wegbegleiter und safe space in einer Zeit, in der mental health kein unter den Tisch gekehrter Begriff mehr ist und sein darf. AVEC beschreibt die Beziehung zu ihren Songs selbst als „eine Art Hass-Liebe“, weil sie genau das ist: aus dem eigenen Schmerz, den eigenen schweren Erfahrungen, die sie seit einigen Jahren auch in Therapie aufarbeitet, entsteht da Musik, die nicht nur der Musikerin selbst, sondern auch anderen weiterhelfen und Hoffnung geben soll.

In einer Welt, in der man gerade als junger, vegan lebender und politisch interessierter Mensch nicht umhin kann, sich zu positionieren, beschäftigen sich AVECs Lieder natürlich auch mit Fragen wie der, ob und wie man unsere Umwelt schützen kann. Gleichzeitig führen uns auf wunderbar kaleidoskopische Weise auch genau diese Lieder durch oft besungene, niemals alte Themen wie dieses seltsame Älterwerden; das Gefühl, nirgends dazuzugehören – und das vielleicht auch gar nicht zu wollen; und durch all die anderen leichten und schweren, immer kostbaren zwischenmenschlichen Begebenheiten, die den Zirkus Leben ausmachen.

 

Lieder, Intentionen, Künstler*Innen zu beschreiben, ist keine einfache Angelegenheit. Bei AVEC schon: Musik ist immer dann am besten, wenn sie nicht aus dem Wollen, sondern aus dem Müssen entsteht.

Fotos aus der neuen Single MyWifeTheDepression

4. März 2021

Da ist ein Licht am Ende des Tunnels

Wenn auch du im Berufsleben stehst, fragst du dich vielleicht manchmal, ob die Gewichtung noch stimmt, so wie sie ist. Oder ist es zu viel Arbeit für zu wenig Leben, oder zu wenig Arbeit und auch kein Leben.

Wie auch immer. Arbeit und psychische Gesundheit gehören zusammen.

Das merken viele Menschen spätestens dann, wenn die Psyche unter Druck kommt und es plötzlich auch in der Arbeit schlecht oder aufgrund von Jobverlust gar nicht mehr läuft.

Ein Teufelskreis, aus dem es aber einen Ausweg gibt. Denn für die meisten Menschen ist es notwendig, Arbeit zu haben, um leben zu können.  

 

Eine Dame, nennen wir sie Frau S., nimmt uns in ihrer Erzählung mit, wie es ihr in einer dunklen Phase des Lebens ergangen ist und wie sie jetzt – durch die Hilfe der Arbeitsassistenz (AASS) von pro mente OÖ wieder Licht am Ende des Tunnels sieht.

 

Als ich erkannte, dass es mir nicht gut geht und schon gar nicht gut genug, um den Arbeitsalltag weiter bestreiten zu können, war im Grunde bereits der erste Schritt getan.
„Die Arbeitsassistenz kann helfen, andere Wege zu finden, um wieder Fuß zu fassen.“ Meine Psychologin hat mich darauf hingewiesen, dass es die Arbeitsassistenz überhaupt gibt, davon hatte bis dahin noch nicht gehört.
Nach einigen Tagen der Überwindung rief ich dort auch an und wurde bei diesem Gespräch positiv überrascht. Und schon war ein Termin für das Erstgespräch - ganz ohne Druck - vereinbart.

Als der Tag gekommen war, versuchte ich, möglichst unvoreingenommen zu sein, war allerdings auf Konfrontation und Erklärungsbedarf eingestellt.

Aber – es kam ganz anders.

Die Betreuerinnen und Betreuer der AASS wissen, welche Menschen zu ihnen kommen und sind geschult, mit ihnen zu arbeiten.
Und das war sehr schön für mich zu erleben.
Meine Erleichterung war riesengroß.
Endlich einmal nicht erklären müssen, was mit mir los ist, keine Angriffe auf mich, keine Verteidigung meinerseits, sondern einfach angenommen werden.
Kein „Warum?“, kein Augenrollen und keine abschätzigen Bemerkungen.

Was ich dafür aber hörte waren Sätze, die mir von Anfang an Mut machten, wie: „Das schauen wir uns an.“ „Mach dir keine Sorgen.“ „Eins nach dem anderen.“ Und „Ist das für dich erst mal okay?“

Ein Folgetermin war eingetragen und ich muss zugeben, ich freute mich darauf.
Endlich konnte ich all meine Last abgeben und vor allem diesen Gedanken, der mich verfolgte, dass ich womöglich nie mehr den Weg zurück in die Arbeitswelt finden würde.

Heute weiß ich, es gibt so viele Hilfen und Optionen, die ich selber nicht kannte, aber die AASS hat mir genau diese aufgezeigt.

Auch wenn der erste Weg zu einer neuen Stelle wieder ein schwerer ist, hilft die Arbeitsassistenz. Gibt es dort eventuell Missverständnisse oder Probleme, dann kann man die AASS zuziehen und nach Lösungen suchen. Man hat „die kleine Stimme“ nicht mehr nur auf der Schulter sitzen, sondern bei Bedarf steht eine Person hinter einem und hilft.

Die Arbeitsassistenz von pro mente OÖ urteilt nicht, übt keinen Druck aus sondern nimmt Menschen, so wie sie sind. Dieser Raum, der einem gegeben wird, das Durchatmen, das man in der Situation braucht, das findet man genau dort. Und in meinem Fall wurde jeder negative Gedanke und jede Stresssituation in etwas Positives umgewandelt und ich beginne bald meinen neuen Weg zurück in die Arbeitswelt.

11. Jänner 2021

Weihnachten wie damals

2020 war so ganz anders.

Zuletzt erlebten wir das rund um Weihnachten, wo das Fest der Familie oft nur in ganz kleinem Rahmen stattfand oder auf Distanz online oder gar nicht.

Eine Aktion trug aber dazu bei, dass Weihnachten 2020 so war wie damals.
Mit Wünschen, Warten, Hoffen und Bangen, Freudentränen und .... Nähe.
Die Wichtelchallenge.

 

Es waren bewegende Momente für einige Menschen bei pro mente OÖ. Sie hatten die Möglichkeit, in der Vorweihnachtszeit an dieser ganz besonderen Initiative teilzunehmen.

Was wünschst du dir zu Weihnachten? Eine Frage, die einige BewohnerInnen an den Standorten schon ewig nicht mehr gestellt bekommen hatten. Die Antworten wurden fleißig notiert und an das Team von www.wichtelchallenge.at weitergeleitet.

Von da an wurde es so richtig spannend. Täglich trudelten an den teilnehmenden Standorten bunte Weihnachtspäckchen ein - aus allen Teilen Österreichs - mit Freude geschenkt und mit viel Liebe verpackt.

Es waren bewegende Momente für die BetreuerInnen, die beim Wichteln erleben konnten, wie menschliche Nähe über die Distanz entstand, wie zwischen einander unbekannten Menschen eine Verbundenheit möglich wurde und wie die Wichtelaktion letztendlich dem Jahr 2020 zu einem positiven und versöhnlichen Weihnachtsfrieden verhalf.

 

Einen herzlichen DANK an alle, die dazu beigetragen haben, dass 2020 Weihnachtswünsche wahr wurden und an die Initiator*innen der Wichtelchallenge für ihren unermüdlichen Einsatz, um die Augen der Beschenkten zum Leuchten und die Gesichter hinter den Masken zum Strahlen zu bringen.